A Sermon preached in German on 16.3.2025 Lent II at the Old Catholic Friedenskirche
Gen 15:5-12.17-18, Phil 3:17-4:1, Luke 9:28b-36
(English summary below)
Unsere beiden Kirchen haben sehr viel gemeinsam, deswegen feiern wir ja auch 2-mal im Jahr gemeinsam Gottesdienst! Unter anderem teilen wir die gleiche Leseordnung, d.h. üblicherweise können wir davon ausgehen, dass die Bibeltexte, die wir im Gottesdienst hören und die vom jeweiligen Prediger / von der jeweiligen Predigerin erläutert werden, dieselben sind. Heute stellt aber eine Ausnahme da! Das Evangelium über die so genannte Verklärung haben wir Anglikaner nämlich vor zwei Wochen gehört, da die Verklärung immer am letzten Sonntag vor der Fastenzeit im Fokus steht. Wir hätten heute Lukas 13:31-35 gehabt – in dem Jesus von einigen Pharisäern gewarnt wird, wegzugehen aus Jerusalem, „denn Herodes will dich töten.“
Ich konnte, wie es sich für die Fastenzeit gehört, der Versuchung widerstehen, einfach meine Predigt vom vor zwei Wochen zu recyceln. Ich denke (hoffe), dass meine eigenen Leute es gleich erkannt hätten, und außerdem haben wir heute doch andere Lesungen aus dem Alten und dem Neuen Testament als vor zwei Wochen.
Schauen wir uns also die Epistel an, den Brief von Paulus an die Christen in der römischen Kolonie Philippi. Im Vordergrund dieses Briefes an eine Gemeinde, die als relativ gesund und harmonisch dargestellt wird, steht die Praxis unseres Christenlebens, es geht darum wie unser Glaube im täglichen Leben umgesetzt wird. Dafür schlägt Paulus wie wir hörten sich als Beispiel vor! „Ahmt auch ihr mich nach, Brüder und Schwestern, und achtet auf jene, die nach dem Vorbild leben, das ihr an uns habt!“ (Phil. 3:17) Das klingt vielleicht arrogant, ist aber so nicht gemeint. Paulus hat bereits vorher in diesem Kapitel klargestellt, dass er als Person und sein Hintergrund als quasi „jüdischer Adel“ – „ich bin aus Israels Geschlecht, vom Stamm Benjamin, ein Hebräer von Hebräern“ (3:5) für ihn völlig wertlos sind.
Alles, was zählt, ist „die Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, (die) alles überragt“ und die „Gerechtigkeit, die durch den Glauben an Christus kommt.“ (3:8,9) Darin soll er und seine Mitstreiter wie Timotheus Vorbilder sein, und zwar nicht wegen Ihrer besonderen Verdienste, sondern weil sie wiederum Christus als Ihr Beispiel und Vorbild nehmen und danach zu leben versuchen.
Es gibt dann auch gleich Negativbeispiele, und Paulus warnt die Philipper vor den „Feinden des Kreuzes.“ Wer sind sie? Es sind Menschen, die nur auf irdische Dinge fokussiert sind und hier in diesem Leben wohl ein eher hedonistisches, d.h. genussorientiertes und ich-zentriertes Leben führen. Es gibt keinen wissenschaftlichen Konsens darüber, welcher Gruppe diese Feinde zuzuordnen sind, da Paulus nur wenige Hinweise auf ihre Identität oder ihren spezifischen Glauben gibt. Einige Experten vermuten, dass es sich um Epikuräer handelte, die einer Ethik der Vergnügungssucht als höchstem Gut folgten. Andere Gelehrte vermuten, dass es sich bei diesen Feinden um Anhänger des religiösen Kultes des römischen Kaisers handelte, da Philippi eine römische Kolonie mit vielen treuen Ex-Soldaten war, ein nicht abwegiger Gedanke. Es könnte aber auch wieder Christen sein, und zwar welche die die Botschaft der Gnade so missverstanden hatten, dass sie glaubten alles wäre möglich und erlaubt. Auf jeden Fall spricht Paulus von ihnen unter Tränen, sie tun ihm leid, denn: „Ihr Ende ist Verderben, ihr Gott der Bauch und ihre Ehre besteht in ihrer Schande.“ (3:19) Alles, was sie besonders im Blick haben ist verderblich und vergänglich. Sie setzen völlig falsche – und sehr irdische – Prioritäten.
Wenn es darum ging, zu identifizieren, wer heute in dem Sinne Feinde des Kreuzes wären, hätte ich aber einige Vorschläge. Dazu könnte Elon Musk gehören, der in einem Interview u.a. behauptet, dass „Empathie eine Grundschwäche der westlichen Zivilisation sei“ – obwohl wir gern darüber diskutieren können, ob unsere westliche Zivilisation immer Empathie gezeigt hat. Ich erinnere an Mahatma Ghandi, der als ihn ein Reporter mal fragte, was er von der westlichen Zivilisation halte, antwortete: "Ich denke, es wäre eine gute Idee." Ich hätte auch weitere Kandidaten für die Feinde des Kreuzes in der gegenwärtigen US-Administration, in der AfD, mit Viktor Orban, Vladimir Putin und so weiter und sofort. Ihre Werte und ihre Ziele stehen den Werten des Kreuzes diametral entgegen. Das Kreuz steht für einen Weg der vermeintlichen Schwäche und der Selbsthingabe, statt dafür eigene Interessen mit Macht und Gewalt durchzusetzen. Es steht für die Bereitschaft eigene Interessen im Sinne der Gemeinschaft und der Menschlichkeit zurückzustellen, es steht für Vergebung, statt Rache. Noch am Kreuz hat Jesus um Vergebung für seine Henker gebetet: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ (Lukas 23,34).
Die Werte des Kreuzes zeigen sich in der Person Jesus Christus, unseren Herrn und Retter. Und diese Werte des Kreuzes sind die Werte des Himmels. Die Einheitsübersetzung, „unsere Heimat ist im Himmel“ (3:20) ist nicht besonders akkurat. Wörtlich heißt es „unser Bürgerrecht ist im Himmel,“ bei Luther „Wir aber sind Bürger im Himmel:“ Es geht Paulus um den Kontrast der Bürgerechte (und -pflichten) der Bürger Roms, die ein Großteil der Einwohner von Philippi ausmachen und sicherlich auch einen Teil der christlichen Gemeinde dort darstellen, mit den übergeordneten Bürgerrechten und -pflichten der Anhänger Christi. Christen und Christinnen sind – und zwar bereits jetzt und nicht nur nach dem Tod – in erster Linie Bürger*innen des Himmels und haben auch hier und heute so zu leben. Ob man Freund oder Feind des Kreuzes ist, zeigt sich daran, woran wir glauben und wie dieser Glaube sich in unseren Leben zeigt und auswirkt. Und das Ziel und das Ende unseres Handelns ist Gott.
Mit der Klassifizierung von Menschen als Feinde gibt es allerding ein kleines Problem. Jemanden zum Feind zu erklären – wie es einige der von mir vorhin genannten Herren häufig tun – bedeutet oft, diese zu entmenschlichen. Und zu den Werten des Himmels gehört es ohnehin auch, unsere Feinde zu lieben. Das hat uns Jesus in der Bergpredigt gesagt, das sagt uns auch Paulus im Römerbrief:
„Segnet eure Verfolger; segnet sie, verflucht sie nicht!“ (Römer 12:14) „Vergeltet niemandem Böses mit Bösem! Seid allen Menschen gegenüber auf Gutes bedacht!“ (12:17) und „Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute!“ (12:21)
Ich muss also auch die Feinde des Kreuzes lieben. Ich darf sie natürlich kritisieren, ich darf ihre Vorhaben und Aktivitäten auch bekämpfen – nach Möglichkeit friedlich und immer im Einklang mit den Werten des Himmels. Aber ich muss sie lieben, und ich muss sie immer auch als Geschöpfe Gottes anerkennen, wenn auch als Fehlgeleiteten. Das tut Paulus auch, daher spricht er von Ihnen unter Tränen.
Unser Weg, der Weg des Kreuzes ist mühsam und langsam und häufig auch schmerzvoll. Am Ende aber, so Paulus, steht sicher ein Sieg “in der Kraft, mit der Jesus sich auch alles unterwerfen kann.“ (3:21) Daher ruft er und wir, „steht fest im Herrn, Geliebte!“ (4:1) Amen.